Befüllt, aber belastbar? Was Gebäudedaten über das Risiko in der Wohngebäudeversicherung aussagen

Vom Vertragsdatensatz zum Golden Record: Interne und externe Gebäudedaten geprüft zusammenführen.
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Baujahr 1900: Wie belastbar ist das Wissen über ein Gebäude, wenn zentrale Angaben geschätzt wurden?


Ein Mehrfamilienhaus, Baujahr 1900, 480 m² Wohnfläche, Bauart „massiv“. So steht es im Vertrag und für die Tarifierung reicht das aus. Der Datensatz ist tariflich vollständig: Alle Felder, die in die Prämie eingehen, sind befüllt. Die Zahl der Wohneinheiten fehlt dagegen ebenso wie eine Starkregenklasse, weil beides für den Tarif nicht abgefragt werden musste. Das Gebäude ist ein illustratives, typisiertes Beispiel. Es führt durch eine Frage, die sich in vielen Beständen der Wohngebäudeversicherung stellt:

Wie viel ist über ein versichertes Gebäude tatsächlich bekannt, wenn zentrale Angaben geschätzt wurden?

Was der Vertrag über das Gebäude sagt

Es fängt schon beim Baujahr and, denn dieses ist mit „1900“ möglicherweise gar kein belastbarer Wert. Der Antragsprozess ist bewusst auf wenige Merkmale ausgerichtet, und abgefragt werden kann nur, was Kundinnen und Kunden wissen. Ist das genaue Baujahr etwa unbekannt, wird häufig gerundet, und „1900“ wird zum Sammelwert für einen Altbau. Das betrifft aber mehr als ein Feld, denn Rohralter, Sanierungsstand oder Bauweise werden oft aus dem Baujahr abgeleitet. Ob solche Rundungen im eigenen Bestand gehäuft vorkommen, zeigt bereits die Verteilung der Endziffern: Bei gleichmäßiger Verteilung entfielen auf jede rund zehn Prozent.

Auch die Bauart ist nur eingeschränkt auswertbar. In einer nicht normierten Werteliste stehen zum Beispiel „massiv“ und „Fertighaus“ im selben Feld. Ein Feld kann also befüllt und trotzdem unzuverlässig sein. Vollständigkeit beschreibt, ob ein Wert vorhanden ist, Verlässlichkeit, ob er zutrifft und woher er stammt.

Wie externe Daten das Gebäudebild erweitern

Externe Gebäude-, Geo- und Gefährdungsdaten beschreiben das Haus aus einem unabhängigen Blickwinkel. Im Beispiel schließen sie Lücken: Wohneinheiten und Starkregenklasse werden ergänzt, ohne zusätzliche Frage im Antrag. Sie plausibilisieren vorhandene Angaben, indem Baujahr und Wohnfläche mit einer zweiten Quelle verglichen werden. Und sie erschließen Merkmale, die im Antrag kaum verlässlich abfragbar sind, darunter Dachform, Gebäudehöhe und Unterkellerung. Auch diese Angaben sind prüfbedürftig, denn sie sind teils modelliert, unterschiedlich aktuell und je nach Anbieter verschieden definiert.

Bevor ein externer Wert dem Mehrfamilienhaus zugeordnet werden kann, wird die Adresse geokodiert, also mit geografischen Koordinaten verknüpft. Die Treffergüte entscheidet, was daraus folgt. Liegt die Koordinate auf dem Gebäude, lässt sich etwa die Starkregenexposition am Punkt übernehmen. Trifft sie nur die Straßenmitte, sind zonenbezogene Angaben nutzbar, gebäudebezogene nicht.

Wie aus einzelnen Angaben ein Golden Record entsteht

Für das Mehrfamilienhaus liegen nun mehrere Angaben je Merkmal vor. Die Gebäudehöhe stimmt bei zwei Anbietern überein. Da Zuordnung und Definition vergleichbar sind, erhöht das das Vertrauen in den Wert. Bei den Wohneinheiten weichen die Quellen ab, weil ein Anbieter Haushalte statt Wohneinheiten ausweist. Hier entscheidet eine zuvor festgelegte Vorrangregel. Bewertet wird je Merkmal: nach Abdeckung, Aktualität und Definition sowie danach, ob scheinbar unabhängige Quellen auf denselben Ursprung zurückgehen.

So entsteht ein Golden Record: ein konsolidierter Datensatz je Gebäude, der für jedes Merkmal einen ausgewählten Wert mit nachvollziehbarer Quellenherkunft und Qualitätskennzeichen enthält. Die Treffergüte der Geokodierung gehört als Kennzeichen dazu.

Welche Abweichungen eine Prüfung verdienen

Der aufschlussreichste Punkt im Beispiel ist die Wohnfläche. Extern ermittelt liegt sie deutlich über den 480 m² im Vertrag. Das belegt noch keine Unterversicherung, die Abweichung ist aber relevant, weil in vielen Tarifen die angegebene Wohnfläche die Grundlage des Versicherungsschutzes bildet. Zu klären ist zunächst also, ob beide Werte dieselbe Fläche meinen, wie belastbar die Quelle ist und ob die Geokodierung das richtige Gebäude getroffen hat. Bestätigt sich die Abweichung, ist sie ein begründeter Anlass, Versicherungssumme und Vertragsangaben zu überprüfen.

Aus einem unauffälligen Vertrag sind damit konkrete Entscheidungsanlässe geworden. Im Underwriting kann die adressgenaue Starkregenklasse die Prüfung vergleichbarer Neuanträge ergänzen. In der Bestandssteuerung lassen sich Verträge mit widersprüchlichen Angaben gezielt priorisieren. In der Prävention bieten Unterkellerung und Starkregenexposition einen Anlass, zur Rückstausicherung zu beraten. Ob ein zusätzliches Merkmal diesen Nutzen tatsächlich stiftet, sollte für den jeweiligen Anwendungsfall geprüft werden, etwa im Abgleich mit eigenen Schadendaten. Ein statistischer Zusammenhang allein belegt dabei keine Ursache.

Ausblick: Was ein erster Datentest klären kann

Nach dem Abgleich ist das Mehrfamilienhaus nachvollziehbar beschrieben: Für jeden Wert ist bekannt, woher er stammt und wie belastbar er ist. Der Weg dorthin führt von der Auftragsklärung über Bestandsprüfung, Geokodierung und einen begrenzten Datentest zu einer Empfehlung je Merkmal und Quelle. Lesen Sie hier, wie mexxon diesen Weg begleitet.