Welche Megatrends prägen die Bankenwelt und wie lassen sie sich pragmatisch steuern? In diesem Autoreninterview spricht Florian Rentsch über strategische Antworten der Sparda-Banken auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie genossenschaftliche Banken den Wandel zur “Digital Society” gestalten, ohne ihre Nähe zum Kunden zu verlieren.
Das Gespräch ist Teil der Interview-Reihe von mexxon und knüpft an den Beitrag von Florian Rentsch im Sammelband “Digital Society – Strategien, Innovationen und Plattformen in der Finanzbranche” an, herausgegeben von Dietmar Schmidt, Marcus W. Mosen und Jürgen Moormann (Hg.), erschienen im Frankfurt School Forum.
Transkript:
Dietmar Schmidt: Mein Name ist Dietmar Schmidt. Ich bin Inhaber und Gründer der mexxon Gruppe und Mitherausgeber des Buches “Digital Society” vom Frankfurt School Verlag zusammen mit dem Professor Moormann und dem Marcus Mosen. Heute bin ich beim Verband der Sparda-Banken im Tower 185. Wunderbarer Blick hier aus dem 17. Stock und treffe Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken, der zusammen mit Stefan Schindler, Vorsitzender des Vorstands der Sparda-Bank Nürnberg, einen Beitrag verfasst hat hier drin. Vielleicht können Sie sich kurz vorstellen, Herr Rentsch.
Florian Rentsch: Gerne. Florian Rentsch, ich bin seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken, zu dem gehören elf Sparda-Banken. Wir haben knapp 3,9 Millionen Kunden in Deutschland wir sind eine mittelständische, genossenschaftliche Bankengruppe. Ich bin selbst Jurist und war lange in der Politik vorher und auch als Rechtsanwalt tätig und habe jetzt das Vergnügen eine spannende Gruppe in einer, würde ich sagen, bewegten Zeit zu begleiten.
Dietmar Schmidt: Wir wollen natürlich ein bisschen was über den Beitrag wissen und Genossenschaften, Nachhaltigkeit, Resilienz und Wirtschaftlichkeit passt gut in die digitale Gesellschaft. Vielleicht können Sie was von ihrem Beitrag kurz erzählen.
Florian Rentsch: Na ja, wir haben versucht, diese Thematik Megatrends und Digital Society ein Stück runterzubrechen auf das, was uns bewegt. Wir versuchen ja auch die Trends zu beobachten und wir haben uns mit dem Thema Urbanisierung und auch Konnektivität auseinandergesetzt und haben wirklich versucht, mal in einem Praxisbeitrag aufzuzeigen, was verändert sich durch diese Trends in unserer Arbeit. Das gibt natürlich ganz viele Punkte. Ich glaube, Gesellschaften verändern sich auch durch den Einsatz von KI und wir haben versucht zu zeigen, dass wir mit diesen Megatrends auch erhebliche Chancen sehen oder in diesen Megatrends und das kann man dort ganz gut nachlesen.
Dietmar Schmidt: Ein Megatrend ist Nachhaltigkeit. Was sind denn Ihre Ideen beim Thema Nachhaltigkeit, sie zum Kunden zu bringen und was sind so die Entwicklungen auf der Bankseite?
Florian Rentsch: Ja, das Thema ESG und Nachhaltigkeit spielt in der Bankenbranche eine große Rolle: Wir sind ja alle verpflichtet, hier auch sehr stark zu dokumentieren und nachzuweisen, was wir machen. Es darf natürlich nicht bei Berichten bleiben, wir müssen diese Themen mit Leben füllen und wir haben zum Beispiel und da sind wir stolz drauf, als erste Bankengruppe – ich habe mir das noch mal mitgenommen – den zertifizierten Nachhaltigkeitsberater in der Baufinanzierung auf den Weg gebracht, den alle unsere Banken anbieten, weil wir merken, dass die Kunden einfach ein erhebliches Informationsbedürfnis haben zu den Nachhaltigkeitsthemen, die bei dem Thema Finanzierung einer Immobilie, Umbau einer Immobilie eine Rolle spielen. Deshalb bieten wir dort eine, finde ich, jetzt sehr hohe Beratungsqualität auch an als gemeinsames Produkt aller Sparda-Banken. So könnte zum Beispiel ESG praktisch aussehen, dass Banken daraus eben versuchen, auch den Kunden in einem Produkt weiterzuhelfen.
Dietmar Schmidt: Sie enablen sozusagen über diese Beratung, dass der Kunde im Nachhaltigkeitsbereich auch wirklich vorankommt?
Florian Rentsch: Definitiv, ja. Es gibt ja hunderte Fragen. Wir müssen uns nichts vormachen, Nachhaltigkeit ist ein Oberbegriff. Spannend wird es dann, wenn es praktisch wird.
Dietmar Schmidt: Spannend sind auch die KI-Themen in der Connectivity in Ihrem Beitrag. Vielleicht können sie noch da ein bisschen reingehen. Wie geht die Beratung in der Zukunft rund um das Thema KI? Wie ist da die Entwicklung aus Ihrer Sicht?
Florian Rentsch: Na ja, KI ist eine Chance für uns, um das Thema Kampf um die Talente ein Stück abzufedern. Ich glaube, das ist so. Wir alle werben um Menschen, die für Banken arbeiten und KI kann im Rahmen der Beratung ganz viel im Vorfeld auch abfangen, auch den Vorberatungsprozess mit übernehmen. Gerade auch in der Vermögensberatung und so weiter haben wir gerade auch ein Modellprojekt in der Gruppe, was wir dort forcieren, mit der Union Investment zusammen, weil wir glauben, dass wir dort den Kundenwunsch und die Kundenzentrierung noch sehr viel stärker mit KI hinbekommen können. Klar, es spielt alles ansonsten eine Rolle, wo wir dem Kunden es einfacher machen können, sich beraten zu lassen. Da hat KI eine ganz spannende Möglichkeit und wir sehen in unseren Banken unterschiedlichen Einsatz. Das zeigt eben auch, dass man sich auch je nach Geschäftsgebiet ein bisschen auf die Bedürfnisse regional der Kunden einstellt.
Dietmar Schmidt: Kundenzentrierung, wahrscheinlich auch Prozessexzellenz dahinter, damit man Automatisiertes machen kann, was für Megatrend so in der Zukunft – als Abschluss – sehen Sie denn noch, außer den schon Vorhandenen? Die haben sie schon beschrieben oder bleiben die jetzt erstmal und ergänzen vielleicht noch so ein bisschen eine Positionierung zum digitalen Euro?
Florian Rentsch: Ich glaube, dass wir den größten Megatrend mit KI haben, deren Folgen und Veränderungen wir noch gar nicht absehen können. Ich war gerade vor ein paar Wochen auf einer Tagung und gehe da auch mit vielen Gedanken raus, weil ich einfach spüre, dass wir an der Schwelle zu einer Revolution uns befinden. Ich glaube, es macht Sinn, dass wir uns alle intensiv damit beschäftigen, auch unter ethischen Gesichtspunkten. Ich glaube, auch das spielt eine Rolle, die darf man nicht unterschätzen bei diesem Thema. Zum Thema Ethik gibt es keine Überleitung zum digitalen Euro, aber klar ist das auch eine Veränderung möglicherweise für die Bankenbranche. Klar, wir sind immer noch auf der Suche nach dem zentralen Argument des Nutzens für den Kunden und klar ist auch für uns die Botschaft, dass wir gerne bereit sind, hier eine aktive Rolle zu übernehmen, aber wir wollen auch diese aktive Rolle übernehmen. Der Einbruch der EZB in den Geschäftsbankbereich ist ja offensichtlich nicht gewünscht. Seitens der EZB wird uns immer wieder versichert, wir werden auch darauf achten, dass das so bleibt.
Dietmar Schmidt: Super. Das heißt, auch Konzentrierung beim digitalen Euro, Zusammenspiel muss noch herausgefunden werden. Vielen Dank an der Stelle, Herr Rentsch. Es hat sehr viel Spaß gemacht.
Florian Rentsch: Vielen Dank.