Transaktionsströme als Katalysator der Digitalisierung

Interview mit Dr. Peter Robejsek und Dietmar Schmidt

Interview zwischen Dietmar Schmidt, CEO mexxon Gruppe, und Dr. Peter Robejsek, Geschäftsführer Mastercard Deutschland, zu seinem Beitrag „Transaktionsströme als Katalysator der Digitalisierung“ im Sammelband „Digitale Dimensionen in der Finanzbranche – Intelligence, Resilience, Simplicity“ herausgegeben von Dietmar Schmidt, Marcus Mosen und Jürgen Moormann.

Transkript:

Dietmar Schmidt:
Hallo, mein Name ist Dietmar Schmidt. Ich bin Herausgeber des neuen Buchs “Digitale Dimensionen: Intelligence, Resilience und Simplicity” sind die Themen und heute freue ich mich besonders auf den Dr. Peter Robejsek, der der Geschäftsführer der Mastercard Deutschland ist. Du bist ja sowas wie ein Serientäter, schon ein paar Mal dabei gewesen und deine Insights, auch internationale Sicht auf digitale Themen sind toll. Vielleicht kannst du dich kurz vorstellen.

 

Dr. Peter Robejsek: Hi Dietmar, schön wieder dabei zu sein. In der Tat, wir sind Serientäter. Als Mastercard haben wir natürlich immer den Wunsch auch immer wieder zu erklären, wer wir eigentlich sind. Bei dem Namen denkt jeder an die Plastikkarte. Die Realität ist, wir sind ein Technologieunternehmen, was sowohl im B2B-Bereich als auch im B2C-Bereich Lösungen anbietet. Das ist das Ziel von mir und meinen Co-Autoren hier mit diesem Beitrag das mal klarzumachen.

 

Dietmar Schmidt: Toll. In deinem Beitrag schreibst du etwas zu Transaktionen als Katalysator, als Beschleuniger der Digitalisierung. Eine Transaktion erscheint erstmal als simpler Vorgang, wenn man so drauf schaut. Kannst du ein bisschen das strategische Potenzial von Transaktionen kurz erklären? Später auch noch B2C als auch B2B.

 

Dr. Peter Robejsek: Ja, Transaktionen sollten als erstes einmal voll integriert und unauffällig sein in einem Geschäftsvorgang, egal ob im B2B- und oder im B2C-Umfeld. Da kann man jetzt eben aufgrund der digitalen Technologien heutzutage sehr viel mehr tun, als es im Durchschnitt so der Fall ist und das wollen wir näher beleuchten.

 

Dietmar Schmidt: Also Transaktionen, wenn ich es richtig verstehe, aus dem Artikel sind Kulminationspunkte, also der Gipfel oder Höhepunkt digitaler Geschäftsmodelle. Wie ändert sich denn die Rolle aus deiner Sicht bei Transaktionen, wenn nicht nur der Abschluss, sondern auch der strategische Hebel bedacht wird?

 

Dr. Peter Robejsek: Ja, dass es sich bei der Transaktion um den Kulminationspunkt eines Geschäftsvorgangs handelt, ist im B2C-Umfeld sicherlich unumstritten. Der Händler möchte natürlich erst einmal erfolgreiche Geschäftsabschlüsse haben, aber auch im B2B-Umfeld ist das ja so, dass ich sozusagen erhebliche Effizienzen generieren kann, wenn ich die Transaktion nicht nur als notwendigen Schritt denke, sondern sie auch bestmöglich optimiere und damit habe ich dann plötzlich nicht nur Erlöspotenzial, sondern auch Kosteneinsparung.

 

Dietmar Schmidt: In dem Artikel hast du das Thema Hyperpersonalisierung als Überlebensstrategie dargestellt. Was können Unternehmen davon lernen? Einige Branchen sind ja schon etwas weiter. Der Kunde erwartet es am Ende auch. Vielleicht kannst du uns da ein bisschen was an Insights geben.

 

Dr. Peter Robejsek: Ja genau, Dietmar, du bringst es ja schon auf den Punkt. Der Kunde erwartet das, der kennt von den großen Plattformen bereits eine sehr, sehr personalisierte User Experience und wenn man als Händler eben jetzt unabhängig bestehen möchte im Wettbewerb, dann ist Hyperpersonalisierung unabdingbar.

Was heißt Hyperpersonalisierung? Das bedeutet im Grunde genommen, dass während ich live mit dem Frontend des Händlers interagiere, dass sich die Inhalte, die mir persönlich angezeigt werden, dynamisch an mein Verhalten anpassen. Das führt zu deutlich höheren Geschäftsabschlüssen, hoher einstelliger bis zweistelliger Prozentbereich. Das führt auch zu viel höheren Click-Through-Raten. Das

vervielfacht sich da häufig, wenn man das richtig einsetzt.

 

Dietmar Schmidt: Oh, das kann ich auch noch sagen. Das gilt ja für alle Branchen, denn dem Kunden ist es egal, ob er jetzt bei der Bankversicherung oder Energieversorger ist, er möchte das gerne. Vielleicht auch ein Schwenk zum B2B-Bereich. Da schreibst du ja zum Thema Zahlungsverkehr: Oft ist dort ja nicht nur der Zahlungsweg selbst ineffizient, sondern das Davor und Danach ist oft ein Effizienzthema. Was sind da die größten ungenutzten Potenziale aus deiner Sicht entlang der Transaktionskette speziell im Finanzwesen?

 

Dr. Peter Robejsek: Das einfachste Beispiel ist hier sicherlich der sogenannte Longtail an Suppliern. Also Supplier, die selten Transaktionen machen, mit denen ich auch geringe Umsätze tätige als Unternehmen, die möchte ich eigentlich gar nicht so gerne in meinem ERP-System onboarden, denn das kostet Zeit und Ressourcen, das ist teuer, gerne auch nördlich der 1000 € pro Onboarding Vorgang, die dort aufgerufen werden können.

Das heißt, das gilt es im Grunde genommen zu vermeiden und moderne Payment-Technologien wie zum Beispiel virtuelle Kartenlösungen lassen sich auf der einen Seite nahtlos in ERP-Systeme und Genehmigungsprozesse im Unternehmen integrieren und erübrigen mir auf der anderen Seite eben das teure Onboarding der Supplier.

 

Wenn man das dann noch konsequent weiterdenkt und nicht den einzelnen Lieferanten sich anschaut, sondern eben die große Masse an kleineren Lieferanten, dann kommt da auch signifikanter Umsatz zustande, den ich jetzt plötzlich als Treasurer flexibel auf der Zeitachse hin und her schieben kann. Das hat dann auch noch positive Effekte auf die Finanzierung des Unternehmens, auf das Working Capital und das ist wiederum ein Faktor bei der Resilienz.

 

Dietmar Schmidt: Spannende Insights, Peter. Vielen Dank für deine Sicht und wir freuen uns auf den Artikel. Ich hoffe, ihr habt sehr viele Ideen bekommen.