Szenarien für die Versicherungswirtschaft der Zukunft

Interview zwischen Philipp Johannes Nolte und Dietmar Schmidt

Interview zwischen Dietmar Schmidt, CEO mexxon Gruppe, und Philipp Johannes Nolte, Managing Director InsureLab Germany e.V., zu seinem Beitrag „Szenarien für die Versicherungswirtschaft der Zukunft“ im Sammelband „Digitale Dimensionen in der Finanzbranche – Intelligence, Resilience, Simplicity“ herausgegeben von Dietmar Schmidt, Marcus Mosen und Jürgen Moormann.

Transkript:

Dietmar Schmidt:
Hallo, heute sind wir bei einem ganz spannenden Beitrag von Philipp, der Geschäftsführer der InsurLab. Seid gespannt, es geht gleich los. Wir haben in deinem Artikel drei Szenarien von heute bis in 10 Jahren. Pessimistisch, optimistischer und sehr optimistischer. Vielleicht kannst du dich kurz vorstellen und diese drei Szenarien mal kurz anreißen, bitte.

 

Dr. Philipp Johannes Nolte: Sehr schön. Ja, vielen Dank, Dietmar, dass du heute bei uns bist. Mein Name ist Philipp Johannes Nolte. Ich bin Geschaftsführer des InsurLab Germany. Wir sind die größte deutsche Brancheninitiative der Versicherungswirtschaft für Transformation und Innovation in der Versicherungswirtschaft und arbeiten tagtäglich daran, dass die Versicherer in Deutschland moderner werden, digitaler werden und vor allem jetzt auch die KI-Transformation natürlich zielgerichtet beherrschen. Okay, also fangen wir mal mit dem ersten an. In dem ersten Szenario verliert die Versicherungsbranche leider massiv an Bedeutung. Wir setzen das fort, was alle befürchten. Klassische Versicherer mit alter KI, regulatorischer Komplexität und langsamen Anpassungsprozessen verlieren einfach den Kundenkontakt. Relevanz geht verloren und die Versicherer sind am Ende nur noch im Hintergrund als Risikoträger, wenn überhaupt.

 

Dietmar Schmidt: Okay. Und bei dem optimistischen Szenario, das ist das dritte Szenario, wo du sagst, wow, da gibt’s wirklich eine richtige Entwicklung. Welche Rolle übernehmen da die Versicherer? Welche Chancen ergeben sich da für die Versicherungen und für die Kunden der Branche und vielleicht auch andere Branchen? Was siehst du da als Wahrscheinliches?

 

Dr. Philipp Johannes Nolte: Genau, vollkommenes Gegenteil. Die Versicherer sind hoch relevant, sie haben sich strategisch aufgestellt, sie sind modern, technologisch modern, aber sie haben auch die Transformation gepackt und ihre Chancen genutzt, und sie sind mittlerweile der Resilienzanker in einer zunehmend volatilen Welt. Die Welt wird immer verrückter, sie wird immer volatiler und die Versicherer sind die Konstante, die Vertrauen hat und Vertrauen schafft und mich als versicherte Person, als Versicherungsnehmer im Leben begleitet, mir ganz viel dieser Last abnimmt, die in der heutigen modernen Welt auf mich so eindrückt.

 

Dietmar Schmidt: Von dir Szenarien, was glaubst du denn, was ist denn da so das Wahrscheinlichstee? Was denkst du, wie kann es oder eine Kombination aussieht?

 

Dr. Philipp Johannes Nolte: Ja, wir haben da noch ein mittleres Szenario, und zwar einen pragmatischen digitalen Aufbruch in dieser Welt. Das ist jetzt nicht das hochoptimistische Szenario, aber es ist garantiert eben auch nicht das pessimistische Szenario. Hier erkennen die Versicherer die Notwendigkeit zur Transformation, zur zielgerichteten Transformation. Sie nutzten dafür Brancheninitiativen wie das InsurLab Germany. Sie nutzen Daten, sie setzen auf KI, automatisierte Prozesse, sie nutzen auch Themen wie Open Insurance, um voranzukommen. Sie haben Schnittstellen geschaffen, bauen auf Ökosysteme und damit schaffen sie es hyperpersonalisierte datenbasierte Services mit Kundenrelevanz anzubieten und sie sind auch täglich immer wieder für Kunden erkennbar. Das heißt, wir haben eine effiziente Branche, sie ist weiterhin reguliert, schafft auch Sicherheit, aber sie ist solide, ohne wirklich massive radikale Disruption.

 

Dietmar Schmidt: Du hast unter anderem in deinem Beitrag so zehn Technologie- und Branchentrends wie KI, Gamification und Virtual Twins. Vielleicht kannst du uns da so zwei, drei Entwicklungen die Insights geben? Was glaubst du, wo geht’s da hin, was wird sich entwickeln für die Versicherungssysteme?

 

Dr. Philipp Johannes Nolte: Ich glaube tatsächlich daran, Dietmar, dass KI in den nächsten 5 Jahren ganz, ganz viel verändern wird. Auf der Basis von KI sind aber ganz viele andere Dinge möglich und da sprechen wir nicht nur über Agents und jetzt auch Effizienzgewinne, die natürlich jetzt aktuell im Fokus stehen, sondern wir sprechen vor allem auch beispielsweise bei KI-gestützer Hyperpersonalisierung über massiv verbesserte Möglichkeiten, um Kunden zu servicieren, anzusprechen, individuell mit Kunden in die Interaktion zu gehen und das wird den Versicherer viel, viel näher an den Kundenalltag heranführen.

Ich finde auch Virtual Twins ganz spannend, weil wir damit eben auch simulationsgeschützt beispielsweise Risikoanalysen fahren können. Ich habe letztens ein Beispiel gesehen von einer Fabrik. Da ist wirklich jeder Prozess einmal angeschaut worden. Es ist auch angeschaut worden mit virtuellen Mitarbeitern, was denn alles passieren kann, wenn der virtuelle Mitarbeiter irgendwo hintritt oder sich auf ein Förderband legt. Da dann kann man natürlich alle möglichen Unfallszenarien dann auch durchgehen und auch simulieren. Das ist total spannend. Dann haben wir natürlich auch eine effizientere Schadenregulierung, all das, was so folgt.

Und dann finde ich noch spannend, auf Gamification zu achten. Gamification ermöglicht uns nämlich endlich wirklich Prävention und Interaktion zusammenzubringen. Etwa im Gesundheitsbereich kennen ja viele schon entsprechend die Möglichkeiten, die es da so gibt, auch gamifiziert ein bisschen was für die Gesundheit zu tun. Ich glaube, das wird mehr in unseren Alltag reinfinden.

 

Dietmar Schmidt: Komplett dabei. Gamification hilft im Grunde Transformation, sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern. Spannender Beitrag, freut euch drauf. Ihr merkt, InsurLab brennt. Das Thema ist als neutrale Stelle hier gut aufgehoben. Freut euch auf den Artikel. Bis bald. Vielen Dank.

 

Dr. Philipp Johannes Nolte: Bis bald. Vielen Dank, Dietmar. Hat mir Spaß gemacht.