Payment im Wandel: Wie wir morgen bezahlen

Interview zwischen Stefan Roesler (Geschäftsführer Deutscher Sparkassenverlag) und Dietmar Schmidt (CEO mexxon Gruppe)

Zahlungsverkehr ist eines der dynamischsten Felder der digitalen Finanzwelt. In diesem Interview erläutert Stefan Roesler, welche Entwicklungen den Payment-Bereich prägen und wie digitale Währungen, Tokenisierung und KI bestehende Zahlungsverfahren verändern. Das Gespräch verbindet technologische Trends mit einem realistischen Blick auf regulatorische Rahmenbedingungen.

Dieses Autoreninterview gehört zur Videoreihe von mexxon rund um das Buch “Digital Society – Strategien, Innovationen und Plattformen in der Finanzbranche”. Der zugrunde liegende Beitrag von Stefan Roesler ist Teil des von Dietmar Schmidt, Marcus W. Mosen und Jürgen Moormann herausgegebenen Sammelbands im Frankfurt School Forum.

Transkript:

Dietmar Schmidt:
Mein Name ist Dietmar Schmidt. Ich bin Mitherausgeber des Buches Digital Society, zusammen mit Marcus Mosen und Professor Moormann beim Frankfurt School Verlag, zu dem auch Herr Roesler einen wertvollen Beitrag geleistet hat. Das Werk beschäftigt sich für die Finanz- und Versicherungsbranche mit den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz in den Dimensionen Personen, Unternehmen, Gesellschaft und die Vernetzung dieser Personen, Gesellschaft und Unternehmen, zum Beispiel mit dem digitalen Euro. Ich begrüße Herrn Stefan Roesler, Geschäftsführer des Deutschen Sparkassenverlags, als Co-Autor heute online statt vor Ort, ich wäre natürlich gerne nach Stuttgart gekommen. Herzlich Willkommen, Stefan Roesler! Sie können sich gerne kurz mal vorstellen.

 

Stefan Roesler: Genau, mein Name ist Stefan Roesler, bin 51 Jahre alt, Geschäftsführer in der Tat des Deutschen Sparkassenverlags oder der DSV Gruppe, wie ich immer sehr gerne sage. Wir machen relativ viel Paymentverfahren, Bezahlverfahren Kommunikation in großen Datenbanken. Das ist das, was wir tun. Insofern hat mich das Buch natürlich unheimlich interessiert und freue mich sehr, dass ich mitarbeiten durfte.

 

Dietmar Schmidt: Worum geht es denn in dem Beitrag? Und wieso haben Sie sich für das Thema Digital Finance denn entschieden?

 

Stefan Roesler: Sie haben es gerade vorweggenommen, ich habe mich in meinem Beitrag tatsächlich mit Digital Finance beschäftigt, mit den Chancen und Risiken, die wir bei digitalen Bezahlmöglichkeiten haben. Natürlich auch mit den Fragestellungen, wie sortieren wir das auf der europäischen Ebene? Welche Auswirkungen hat sowas wie ein digitaler Euro? Sie hatten es gerade angesprochen, wir haben es uns bewusst nicht nur technisch angeschaut, also wie funktioniert das technisch, sondern bewusst auch etwas aus der Kundenperspektive, aus der Handelsperspektive, aus der Bankenperspektive und haben dort versucht natürlich die entsprechenden Rahmenbedingungen und Überlegungen, die wir in diesem Segment tätigen, kund zu tun und in dem Buch zum Leben zu erwecken.

 

Dietmar Schmidt: Die verschiedenen Sichten haben mir auch sehr gut gefallen im Artikel. Welche konkreten Entwicklungen sehen Sie denn in der zurzeit? Der Artikel ist ja schon ein paar Monate her, als Sie ihn geschrieben haben. Es gibt ja noch weitere Entwicklungen in digitalen Zahlungsmethoden. Was sehen Sie aus dem Artikel herauskommend, aber gerne auch ein bisschen nach vorne schauend?

 

Stefan Roesler: Genau, in dem Artikel haben wir uns natürlich sehr stark damit auch beschäftigt, was passiert mit Giralgeldtoken? Was passiert mit digitalen Währungen, Kryptowährungen? Was passiert mit dem digitalen Euro? Wie wirkt er auf uns, der digitale Euro? Wie positionieren wir uns? Wir arbeiten ja aktiv mit beim EPI-Umfeld, um auf der europäischen Ebene auch ein Zahlungssystem gegenüber anderen paneuropäischen Wettbewerbern zu positionieren. Wir erleben ja momentan, dass es wenige Marktplayer gibt, die den Markt unter sich aufteilen. Da muss man auch ein bisschen als europäische Nation aufpassen, dass man nicht zu kurz kommt im Geschäft. Wie positionieren wir uns an dieser Stelle? Die Kunden müssen natürlich aber auch mit den neuen Konzepten vertraut gemacht werden. Wir haben in Deutschland, da gab es jüngst gerade eine Studie, dass der Onlinehandel wieder so ein bisschen rückläufig war. Wir als Sparkassen und, ich glaube, die ganze Bankenbranche erlebt momentan auch, was auf der Risiko-Seite möglicherweise dazu kommt, das jetzt auch mal nach vorne geblickt. Fraud-Seite ist natürlich ein großes Thema, KI-Angriffe und so weiter. Aber das habe ich im Buch nicht behandelt. Aber das ist ein Thema, das uns nach vorne brennend interessiert. In diese Richtung habe ich versucht, das mal ein bisschen herzuleiten und abzuleiten, wie wir darauf gucken.

 

Dietmar Schmidt: Vielen Dank für die strategischen Einblicke, auch EU-seitig, als auch neue Themen, wie das KI-Thema, finde ich spannend. Wo sehen Sie die größten Voraussetzungen, Herausforderungen bei der Umsetzung?

 

Stefan Roesler: Ganz konkret bei den Herausforderungen ist tatsächlich Relevanz im Markt zu erzeugen, weil wir sehen ja, da muss man auch ein bisschen selbstkritisch sein bei unseren eigenen Verfahren. Das haben wir noch nicht so gut geschafft. Umso erstaunlicher finden wir gerade, dass beispielsweise die Sparkassen-Card mit der Mastercard Co-Badge oder Sparkassen-Card mit der Visa Co-Badge, wie die auch im E-Commerce durch die Decke geht und wie positive Zahlen wir da erreichen. Das natürlich zeigt ja, dass man eine Relevanz braucht auf der Endkundenseite und auf der Handelsseite.

 

Dietmar Schmidt: Vielen Dank für die Ausführungen. Was muss denn passieren, um die Akzeptanz und die Nutzung digitaler Angebote im Zahlungsverkehr steigen lassen zu können?

 

Stefan Roesler: Erstmal muss man relativ einfache digitale Verfahren haben. Ich fange mal auf der Handelsseite an, weil die Zahlungsverkehrsdienstleister auf der Handelsseite müssen es akzeptieren und sie müssen es installieren und bereitstellen. Deswegen ist dieses Thema Interoperabilität relativ wichtig und deswegen glauben wir auch so ein bisschen an die Wallets dieser Welt, weil in Wallets wird dann tatsächlich diese Interoperabilität hergestellt.

 

Dietmar Schmidt: Zum Abschluss würde ich gerne noch einen weiteren Blick von Ihnen hören, wenn sie zehn Jahre nach vorne schauen, welche Payment-Entwicklungen sehen Sie da? Und jetzt auch in Bezug auf unsere Digital Society Thematik, also Personen, Firmen, Gesellschaft, wie wird sich das entwickeln? Was sehen Sie, wenn Sie noch ein bisschen weiter nach vorne schauen?

 

Stefan Roesler: Wenn ich was prognostizieren dürfte, glaube ich schon, dass das Thema des automatischen Bezahlens noch weiter etabliert wird. Das, was wir in der Automobilbranche gesehen haben, Sie fahren ran, bezahlen beim Laden von Elektrostrom automatisch. Wenn sie parken irgendwo, kommt eine Zahlautomatik. Der Kühlschank zahlt automatisch. Diese ganzen Facetten werden sich fortsetzen und da wird es auch ganz, ganz viele neue neue Dinge geben. Ich bin aber nicht so vermessen zu glauben, dass alles revolutioniert wird in den nächsten zehn Jahren. Das zeigen immer unsere Zahlungsverkehrsverfahren in unserer Erfahrung, dass es immer etwas länger dauert Zahlungverkehrsverfahren zu etablieren. Aber ich glaube schon, dass aufgrund der Vereinfachung der Verfahren, der Automatisierung der Verfahren, wird es tatsächlich in die Richtung gehen und diese Interoperabilität, dieser Austausch von Geld, auch von digitalem Geld wird sicherlich noch weiter fortlaufen.

 

Dietmar Schmidt: Für den Kunden wird es einfacher, schneller, digitaler. An allen möglichen Orten kann er dann letztendlich die Payment-Möglichkeiten nutzen in Zukunft. Vielen Dank von unserer Seite für die Einblicke und natürlich an alle, lest den gesamten Artikel von Herrn Roesler. Es ist sehr spannend. Vielen Dank, Herr Roesler.

 

Stefan Roesler: Danke Ihnen.