Interview zwischen Dietmar Schmidt, CEO mexxon Gruppe, und Stephan Segbers, Vertriebsvorstand RheinEnergie AG, zu seinem Beitrag „IT-Plattformen als Brücke zwischen Klimaschutz und Kosteneffizienz“ im Sammelband „Digitale Dimensionen in der Finanzbranche – Intelligence, Resilience, Simplicity“ herausgegeben von Dietmar Schmidt, Marcus Mosen und Jürgen Moormann.
Transkript:
Dietmar Schmidt: Hallo, mein Name ist Dietmar Schmidt. Ich bin Herausgeber des neuen Buchs “Digitale Dimension: Intelligence, Resilience und Simplicity”. Und heute geht’s um den Buchbeitrag “Mit KI und Daten in die grüne Zukunft und Firmen und Unternehmen” [Anm. d. Red.: Der Titel war zum Zeitpunkt des Interviews ein Arbeitstitel; veröffentlicht wurde der Beitrag später unter „IT-Plattformen als Brücke zwischen Klimaschutz und Kosteneffizienz“]. Ich spreche mit Stephan, du bist Vorstand für Vertrieb und Energiebeschaffung bei dem Energieversorger Reinenergie.
Du hast in diesem Beitrag etwas Spannendes geschrieben, wo du das Thema Ökologie und Ökonomie zusammenbringst und sogar eine Plattform auf KI-Basis berechnend, also vielleicht stellst du dich kurz vor.
Stephan Segbers: Ja, sehr gerne, Dietmar. Ich freue mich, dass ich dabei sein darf. Mein Name ist Stephan Segbers. Ich bin, wie du richtigerweise sagst, bei der Reinenergie im Vorstand für das Thema Vertrieb zuständig. Ich sage immer gerne dazu, ich bin vierfacher Familienvater und deswegen liegt mir das Thema Energiewende und Nachhaltigkeit besonders am Herzen.
Diemar Schmidt: Toll. Und ja, da sind wir auch direkt beim Thema Nachhaltigkeit, CSRD, die EU-Taxonomie, das Energieeffizienzgesetz. Viele Unternehmen beschäftigen sich sowohl in der Finanzbranche als auch in den anderen Branchen wie hier auch im Bereich der Energieversorger damit, wo auch der gesamte Kapitalmarkt mehr und mehr in diese Richtung geht.
Wo ist denn nachhaltiges Invest möglich? Was brauchst du aus deiner Sicht, damit solche Vorgaben nicht zur Belastung werden, sondern als echte Enabler für die Transformation wahrgenommen werden – gerade wenn es um energieintensive Betriebe geht. Wie gelingt das trotz der ganzen Reportingplichten?
Stephan Segbers: Ja, ich glaube Teil der Wahrheit, das kann man auch nicht wegdiskutieren, ist das Regulatorik und dass auch Bürokratie natürlich immer erstmal eine Belastung darstellen. An der Stelle würde ich sagen, ist es teilweise aber eine positive Belastung, weil es geht ja um Nachhaltigkeit und wir alle wissen, es gibt nur einen Planeten und wir wollen ja nachhaltiger werden.
Ich glaube, die Kunst besteht darin, dass man Regulatorik richtig versteht und in Geschäftsmodelle umsetzt, übersetzt und versucht dann halt Regulatorik nachher für sich auch positiv wirken zu lassen. Und es gibt immer ein schönes Beispiel an der Stelle: Taxonomie und Nachhaltigkeit ist ja auch für Kapitalgeber immer ein besonderes Thema und von daher wer nachhaltig agiert, wer das auch nachweisen kann, der hat besseren Zugang zu Kapital und der kommt an günstigeres Kapital. Also auch hier
lassen sich positive Effekte unmittelbar ableiten.
Dietmar Schmidt: Spannend. Reden wir über die Wirtschaftlichkeit, Stefan. Gerade auch die Bundesregierung will das Bürokratiemonster loswerden, aber die Umsetzung ist auch das Problem. Die Unternehmen erkennen auch, die wollen strategische Änderungen durchführen, aber scheitern an der Umsetzung. Was hilft konkret
nachhaltigen Transformation auch ökonomisch tragfähig zu werden?
Stephan Segbers: Ja, ich glaube in der Tat, du hast es mit der Frage schon fast ausgedrückt, also wir müssen darauf achten, dass wir nicht nur ökologisch sind um jeden Preis, sondern dass wir Ökologie und Ökonomie miteinander verbinden. Das heißt, wir müssen die Erkenntnisse aus dieser Dekarbonisierung, aus dieser Transformation nutzen, um sie pragmatisch auch in Geschäftsmodelle zu übersetzen. Das bedarf einer guten Strategie, es bedarf aber vor allem auch einer Technologie, die mir dabei hilft, diese Erkenntnisse gewinnbringend umzusetzen, um beispielsweise aus ökologischen Inputdaten nachher auch ökonomische Ableitungen zu treffen.
Denn häufig ist es erfreulicherweise so, wenn ich mein beispielsweise CO2-footprint reduziere, kann ich damit auch Geld einsparen, weil ich zum Beispiel Primärenergie einspare. Das heißt, es gibt hier schon interessante Kombinationen, die auf jeden Fall lohnen, sich näher anzuschauen.
Dietmar Schmidt: Da wollen wir auch mal ein bisschen drauf schauen, wie sieht eure Technologie aus, eure intelligenten Systeme, eure Plattformen, die ihr gebaut habt, die du im Beitrag ja auch erwähnst. Skizziere doch mal kurz, wie die Daten, Marktdaten, Maschinendaten zusammenwirken, wie ihr KI nutzt, um Energieflusse zu steuern. Was sind da so die Hebel in der Energiewende und wie unterscheidet sich das Thema Intelligence und KI bei euch durch bloße Digitalisierungsprozessoptimierung?
Stephan Segbers: Ja, was wir gemacht haben ist, wir haben tatsächlich eine Ende-zu-Ende-Plattform mit unserem Partner gebaut, unserem Technologiepartner. Es geht darum, dass wir über Sensorik auf der einen Seite Energiedatenflüsse erheben bei dem Kunden, sowohl was Konsum als auch Verbrauch anbelangt und diese Daten gleichzeitig kombinieren mit Marktdaten, mit Wetterdaten, mit Großhandelspreisen, aber auch mit erwarteten Verhaltensweisen in der Zukunft und dann über intelligente Algorithmen, über künstliche Intelligenz daraus Maßnahmen ableiten, wie beispielsweise der CO2-footprint reduziert werden kann, wie man aber auch Anlagenparks zum Beispiel effizienter fahren kann, wie man Primärenergie einsparen kann oder wann man wie Energie einkauft. Das heißt, wir verbinden tatsächlich Ökologie und Ökonomie über künstliche Intelligenz als gewinnbringendes Produkt für den Kunden.
Dietmar Schmidt: Total interessant finde ich dieses End-to-End-Denken. Auch bei euch ist auch im Ökosystem oft das Thema von Sensorik bis zu Investitionsempfehlung. Das bedeutet aber oft auch neue Allianzen eingehen, neue Rollen übernehmen, Industrie zusammenbringen, Finanz- und Energieversorger und Plattform- und Technologiepartner zusammenbringen, die wirklich zusammenwirken. Wie schafft ihr das? Wie ist das durchgängige System möglich?
Stephan Segbers: Ja, ich glaube, wir haben schon vor längerer Zeit erkannt, Energiewirtschaft wird immer komplexer. Wir erleben ja auch eine Sektorenkonvergenz: Mobilität, Wärme, Energie. Das heißt, wir müssen immer stärker in Ökosystemen denken. Auch in dieser Plattformlösung, die wir hier geschaffen haben, war es von Anfang an klar, wenn wir als RheinEnergie versuchen würden, eine Plattform aufzubauen, das wird nicht nur sehr teuer, sondern wird im besten Fall wahrscheinlich auch mittelmäßig.
Also haben wir uns jemanden gesucht, der top-notch ist im Bereich IT, im Bereich künstliche Intelligenz und Plattformbau und kombinieren das mit unserer Kernkompetenz im Bereich der Energiewirtschaft und Regulatorik. So wird ein ganz tolles Ergebnis draus und ich glaube das ist, was wir grundsätzlich nach vorne gerichtet immer stärker anwenden müssen. Partner finden und dann Allianzen schmieden.
Dietmar Schmidt: Lieber Stefan, sehr spannend, du hast auch Energie in dir selbst. Du bist nicht nur Vorstand eines Energieversorgers. Alle, die jetzt zugehört haben, seid gespannt auf den Buchartikel. Es wird großartig. Vielen Dank fürs Kommen.
Stephan Segbers: Lesen, es lohnt sich. Ich freue mich drauf.