Dimensionen von Datenstrategien und ihre Umsetzung in die Praxis

Interview mit Udo Wilcsek und Dietmar Schmidt

Interview zwischen Dietmar Schmidt, CEO mexxon Gruppe, und Udo Wilcsek, Vorstandsmitglied der ALH Gruppe, zu Wilcseks Buchbeitrag „Dimensionen von Datenstrategien und ihre Umsetzung in die Praxis“ im Sammelband „Digitale Dimensionen in der Finanzbranche – Intelligence, Resilience, Simplicity“ herausgegeben von Dietmar Schmidt, Marcus Mosen und Jürgen Moormann.

Transkript:

Dietmar Schmidt: Hallo, mein Name ist Dietmar Schmidt. Ich bin Herausgeber des Buches “Digitale Dimensionen: Intelligence, Resilience und Simplicity” mit der Frankfurt School zusammen und bin heute bei Udo Wilcsek, der sich kurz vorstellen möchte. Udo, wo sind wir denn hier? Was ist deine Aufgabe?

 

Udo Wilcsek: Ja, hallo zusammen. Mein Name ist Udo Wilcsek. Ich bin der IT-Vorstand der Alten Leipziger Hallesche Gruppe hier in Oberursel und darf in dem Buch auch mitschreiben.

 

Dietmar Schmidt: Du hast den spannenden Titel “Von Regulatorik bis Kundenerlebnis: Die vielfältigen strategischen operativen Vorteile einer integrierten Datenstrategie” [Anm. d. Red.: Der Titel war zum Zeitpunkt des Interviews ein Arbeitstitel; veröffentlicht wurde der Beitrag später unter „Dimensionen von Datenstrategien und ihre Umsetzung in die Praxis“]. Viele jammern ja über Regulatorik und sehen das eher als Belastung an, aber bei “Digitale Dimensionen” in deinem Artikel beschreibst du auch genau, was für ein Hebel in der Regulatorik drinsteckt. Kannst du uns da vielleicht ein bisschen einen Einblick geben?

 

Udo Wilcsek: Ich weiß, dass bei vielen Menschen Regulatorik immer so eine gewisse Abwehrhaltung beinhaltet, aber aus meiner Sicht ist Regulatorik durchaus eine Chance. Also speziell im Datenkontext haben wir die Möglichkeit mit Regulatorik auch einfach einen Rahmen zu schaffen und den verantwortungsvollen Umgang vor allem mit Daten zu ermöglichen. Dazu ist zum Beispiel so eine Data Governance ein ganz wichtiges Thema, weil da wirklich jeder weiß, in welchem Rahmen er sich bewegt, was er tun kann und wie er mit den Themen umgehen kann.

 

Dietmar Schmidt: Das heißt die Data Governance als Beispiel eine in Datenstrategie im regulatorischen Umfeld bringt eine echte Resilienz aus deiner Sicht, wenn es gut gemacht ist.

 

Udo Wilcsek: Aus meiner Sicht ja, weil jeder weiß, was er in welchem Rahmen zu tun hat.

 

Dietmar Schmidt: Ja. Alte Daten, alte Systeme, alte Komplexität? Viele Versicherer da draußen kennen diese Problematik. Wie habt ihr das bei ALH hier geschafft, aus diesem Flickenteppich eine Architektur, ein Zielbild zu entwickeln mit der Datenstrategie integriert in eure Gesamtstrategie? Wie seid ihr da vorgegangen?

 

Udo Wilcsek: Na gut, es ist ja am Ende des Tages eine evolutionäre Sache. Also, wir haben wirklich relativ klein angefangen mit ersten Cases, haben entsprechend die Technologien aufgebaut, haben das dann Schritt für Schritt skaliert. Es ist am Ende des Tages keine Raketenwissenschaft, aber wichtig an der Stelle ist es wirklich die Organisation auch nicht zu überfordern, indem man einfach mit irgendwelchen tollen Technologien um die Ecke kommt, sondern sich Schritt für Schritt dahin zu entwickeln und was wir tatsächlich in der Strategie auch versucht haben abzubilden, sind einfach die unterschiedlichen Dimensionen, die davon relevant sind, ob das jetzt das angesprochene Governance-Thema ist, die Prozesse im Umgang mit Daten oder auch die entsprechenden Technologien.

 

Dietmar Schmidt: Du hast es auch schon angesprochen, dass das Thema Organisation, wie nimmst du die Kulturwandel mit, wie kriegst du die Datenstrategie ist ja kein IT-Projekt, sondern es ist ja auch eine Veränderung, datengetriebenes Denken reinzubekommen über Use Cases und Co. Wie ist das aus deiner Sicht? Wie kriegt man diese Schlüsselqualifikation Datenkompetenz in die Organisation rein?

 

Udo Wilcsek: Das aus meiner Sicht wichtige ist schon mal ein Grundverständnis zu haben, dass es nicht ein reines IT-Thema ist. Es ist nicht eine Fähigkeit der IT, sondern des gesamten Hauses. Technologien können wir heute in innerhalb von Tagen zur Verfügung stellen. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wie kann ich mit diesen Technologien arbeiten? Da sind die Fachbereiche sehr, sehr stark gefordert und da muss man Verständnis haben, was man mit der Technologie machen kann und vor allem welchen Nutzen man zum Beispiel für Kunden, für Vertriebspartner generieren möchte.

 

Dietmar Schmidt: Und die Vorstände, die da draußen sind, die jetzt zuhören, wie würden sie so ein Thema am besten anpacken? Was ist ein konkreter Schritt, um eine Datenstrategie 2.0 ins Unternehmen zu kriegen?

 

Udo Wilcsek: Ja, auch hier eine gemeinsame Sache. Es ist jetzt nicht so, dass ich mich irgendwo hingesetzt habe und etwas runtergeschrieben habe, sondern du musst gemeinsam mit den Kollegen drüber sprechen. Was wollt ihr dann eigentlich erreichen? Man braucht ein Commitment, in welche Richtung man möchte und danach kann man, ich will nicht sagen entspannt, aber man kann relativ locker dann eine Strategie runterschreiben, weil welche Inhalte in einer Strategie sein sollten, glaube ich, wissen wir inzwischen alle.

 

Dietmar Schmidt: Habt ihr gut zugehört da draußen? Alles weitere findet ihr im Artikel von Udo. Vielen Dank für die Einblicke heute. Bis bald.