Digitale Grundrechte im Kontext Künstlicher Intelligenz

Interview mit Wolfgang Epting und Dietmar Schmidt

Interview zwischen Dietmar Schmidt, CEO mexxon Gruppe, und Wolfgang Epting, Solution Advisor Chief Expert bei SAP Deutschland, zu seinem Beitrag „Digitale Grundrechte im Kontext Künstlicher Intelligenz“ im Sammelband „Digitale Dimensionen in der Finanzbranche – Intelligence, Resilience, Simplicity“ herausgegeben von Dietmar Schmidt, Marcus Mosen und Jürgen Moormann.

Transkript:

Dietmar Schmidt:
Hallo, ich begrüße euch für das neue Buch “Digitale Dimensionen”. Heute mit Wolfgang Epting, dem Solution Advisor Chief Expert bei der SAP Deutschland. Hallo Wolfgang, schön, dass du da bist. Dein Beitrag heißt ja “Digitale Grundrechte wahren” [Anm. d. Red.: Der Titel war zum Zeitpunkt des Interviews ein Arbeitstitel; veröffentlicht wurde der Beitrag später unter „Digitale Grundrechte im Kontext Künstlicher Intelligenz“]. Was verstehst du denn da unter digitalen Grundrechten? Warum sind sie jetzt gerade wichtig für den wirtschaftlichen Bereich?

 

Wolfgang Epting: Ja, aus meiner Sicht sind digitale Grundrechte Datenschutz. Es geht um Nichtdiskriminierung und genau diese Dinge müssen wir im Zeitalter von KI neu denken. Wir müssen sie aber auch schützen. Sie sind ein wirtschaftliches Thema. Vertrauen ist die Basis für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Nur wer digitale Grundrechte glaubwürdig achtet, schafft nicht nur Compliance auf der einen Seite, sondern echten Marktvorteil. Damit positionieren wir uns als Europa strategisch mit einer wertebasierten Technologie.

 

Dietmar Schmidt: Vertrauen in Regulatorik ist auch ein Stichwort. Du argumentierst in deinem Beitrag ja, dass Regulierung, wenn intelligent umgesetzt, Innovation beflügeln kann. Was genau macht diesen europäischen Weg aus im Umgang mit KI und Daten oder besonders und wie können Banken und Versicherungen davon profitieren?

 

Wolfgang Epting: Ja, ich denke, der europäische Weg verbindet unsere Grundrechte, nämlich Transparenz, Vertrauen mit technologischer Innovation und damit schaffen wir regulatorische Klarheit und eben nicht weitere Innovationshemmnisse. Banken und Versicherer profitieren davon, indem sie vertrauenswürdige KI in sensiblen Anwendungsfeldern auch einsetzen können, ohne regulatorische Risiken einzugehen. Es ermöglicht uns nicht nur eine rechtsichere Digitalisierung, sondern auch eine strategische Differenzierung und damit ein einen klaren Standardvorteil für Europa.

 

Dietmar Schmidt: Der EU Data Act stellt ja höchste Anforderung an Datenqualität, Nachvollziehbarkeit etc. Was bedeutet das konkret für den Aufbau von KI-Systemen im Finanzbereich und welche Rolle spielt das Thema Data Fairness dabei auch in Bezug auf die neue Regierung und das neue Digitalministerium? Was willst du ihnen, der neuen Regierung, mitgeben, Wolfgang, mit deiner Erfahrung?

 

Wolfgang Epting: Dietmar, du weißt ja, Daten sind meine große Leidenschaft, waren es schon immer und werden es auch immer sein. Und jetzt haben wir den EU-AI-Act. Der macht deutlich, dass vertrauenswürdige KI im Finanzsektor eben auch Daten erfordert und diese Daten müssen qualitativ hochwertig, sie müssen repräsentativ, sie müssen verzerrungsfrei und sie müssen aber auch nachvollziehbar sein und Datenfairness, wie ich das nenne, wird damit zum regulatorischen Imperativ, aber auch zu einem strategischen Differenzierungsmerkmal für Banken und Versicherungen. Die neue Bundesregierung sollte diesen Aufbau der Infrastruktur nicht nur begleiten, sondern sie sollte als Teil einer nationalen Digitalstrategie aktiv werden und dies auch fördern, aber im Schulterschluss mit Wirtschaft, Aufsicht und Wissenschaft.

 

Dietmar Schmidt: Du forderst ja auch, dass Reallabore nicht nur Innovationsräume, sondern auch regulatorische Lernorte sein sollten. Was müsste sich konkret ändern, damit die BaFin hier aktiver wird?

 

Wolfgang Epting: Na ja, damit Reallabore als regulatorische Lernorte wirken, muss die BaFin ihr Mandat um eine explizite Innovationskompetenz erweitern, ähnlich der britischen Finanzaufsichtsbehörde. Ergänzend braucht es eine koordinierte Governance-Struktur, die regulatorische Schnittstellen aktiv gestaltet. So kann die BaFin von einer rein überwachenden zu einer mitlernenden und gestaltenden Instanz im digitalen Finanzökosystem werden.

 

Dietmar Schmidt: Wie kann denn jetzt die europäische Regulierungsansatzthematik im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben, gerade so mit USA und China? Wie ist denn da dein Blick aus einem internationalen Unternehmen heraus?

 

Wolfgang Epting: Ja, aus meiner Sicht müssen wir als Europäische Union unsere Werte nach vorne stellen, um mit den entsprechenden Tech-Giganten mithalten zu können. Es ist wichtig: Wir definieren, wie wir unsere Werte umsetzen. Wir definieren, wie wir leben wollen. Wir definieren, wie wir mit unseren Daten umgehen. Und das ist, glaube ich, wichtig. Eventuell schaffen wir es ja sogar die europäischen Werte oder unsere entsprechenden Umsetzungen dann auch als globales Beispiel voranzustellen.

 

Dietmar Schmidt: Danke dir. Datensouveränität von Wolfgang. Super Zusammenfassung. Freut euch auf das Buch. Es wird ganz spannend, auch auf diesen Artikel. Alles Gute. Vielen Dank Wolfgang.